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Dienstag, 9. Dezember 2014

Ausländische Banker vergewaltigen die Ukraine

KoppOnline - F. William Engdahl -
Stünde nicht das Leben von 45 Millionen Menschen auf dem Spiel, man wäre versucht, die Politik der Ukraine als schlechten Witz zu verlachen. Alle Beteuerungen, die Wahlen im Oktober würden einen Hauch von echter Demokratie bringen, für die Tausende ukrainische Bürger noch vor einem Jahr auf dem Maidan-Platz demonstrierten, waren mit der Berufung des Kabinetts durch Viktoria Nulands Darling, Premierminister »Yat« Jazenjuk, vom Tisch.



Der US-handverlesene Präsident der Ukraine, der Milliardär und Oligarch Petro Poroschenko, setzte Ende August für den 26. Oktober vorgezogene Wahlen an. Damit sollte jede echte Opposition gegen sein Regime von Mördern, Gangstern und in einigen Fällen ausgesprochenen Nazis aus dem Parlament, der Verkhovna Rada, gedrängt werden. Parteien, die gegen den von den USA angezettelten Putsch vom 22. Februar opponierten, hatten im Parlament Gesetze blockiert, die die Geier aus dem Westen einforderten, beispielsweise die Änderung von Gesetzen über den Besitz von Land, um wertvolle staatliche Vermögenswerte privatisieren zu können. Nach dem Gesetz wäre die Legislaturperiode des alten Parlaments erst im Oktober 2017 beendet gewesen. Das war Viktoria Nuland vom US State Department (Außenministerium), der neokonservativen Strippenzieherin in der Ukraine und ihren Unterstützern in Washington, eindeutig zu lang.

Mit einem neuen Parlament, das von der Gruppe um Petro Poroshenko als größter Partei und dem jugendlich wirkenden Premierminister Arseni Jazenjuk als Vorsitzendem der zweitgrößten Partei, dominiert wird, war der Weg frei für die Vergewaltigung der Ukraine. Viele waren schockiert über die darauffolgende offene ausländische Übernahme im Stil eines Angriffs eines Wall-Street-Geiers auf ein schuldengeplagtes Land der Dritten Welt.



Lächerliche Scharade


Jazenjuk, Finanzminister eines früheren kriminellen Regimes und mutmaßliches Mitglied der den US-Geheimdiensten freundlich gesonnenen Church of Scientology, hat drei Ausländer als Minister in sein Kabinett berufen. Alle drei wurden durch Poroschenko umgehend zu Bürgern der Ukraine ernannt. Die Ukraine wirkt immer mehr wie die von den USA besetzten Philippinen nach dem spanisch-amerikanischen Krieg von 1898, als General Arthur McArthur, Vater des nicht ganz zurechnungsfähigen Douglas, Washingtons Diktator vor Ort war.

Die neue ukrainische Finanzministerin, die über das Geld herrschen und über seine Verwendung entscheiden wird, ist Natalia A. Jaresko. Sie spricht fließend Ukrainisch. Das einzige Problem – sie ist amerikanische Staatsbürgerin, State-Department-Veteranin und Investmentbankerin. Nach der Verfassung der Ukraine müssen Minister der Regierung jedoch Ukrainer sein. Wie kam unsere süße Natalia auf diesen Posten?

Der Präsident der Ukraine, ein weiterer Nuland-Favorit, der korrupte »Schokoladenkönig«, Oligarch und Milliardär Petro Poroschenko, machte sie wenige Stunden bevor das Parlament sie zur Finanzministerin erklärte in einer seltsamen Zeremonie zur ukrainischen Staatsbürgerin. Zur Rechtfertigung dieses erstaunlichen Manövers erklärte Poroschenko:

»Die Ukraine steht vor absolut ungewöhnlichen Herausforderungen … All dies fordert innovative Lösungen von der Regierung … Diese Entscheidungen bedeuten, Kandidaten für die neue Regierung nicht nur in der Ukraine, sondern auch im Ausland zu suchen.«

Vergessen Sie Ihr blödes Schulwissen darüber, wie Demokratie und Staat funktionieren. Wir leben im Zeitalter ohne Nationalstaaten, in dem das private Kapital die Welt des Profits wegen übernimmt. Plündern über alles, heißt das Motto.

Die Ukraine wird sowieso auf das Versteigerungspodest gesetzt, deshalb ist es doch sinnvoll, dass die Auktionatoren beim US State Department die Leute für den Insiderjob als Vorbereiter der Auktion auswählen, wo immer sie willige Vollstrecker finden. Und angesichts der Pläne der Privatisierer scheint es eher denkbar, dass ein Nicht-Ukrainer das Land vergewaltigen lassen würde als ein geborener, wenn auch korrupter Ukrainer. In ihrer Antrittsrede erklärte Jaresko:

»Das neue Team will das Land verändern, für mehr Transparenz sorgen und die Korruption beenden. Die Mitglieder des Teams sind bereit, sich den Herausforderungen zu stellen, vor denen die Ukraine heute steht. Wir sind eine Regierung von Fachleuten und Technokraten, und wir sind gewillt zu arbeiten. Ich lebe seit 22 Jahren in der Ukraine und war bis heute Chefin einer großen Firma, die die Kontrolle über drei Investmentfonds hatte«, erklärte sie im ukrainischen Nachrichtensender TSN.

Dabei sagte Jaresko nicht, dass sie vor 22 Jahren als Mitarbeiterin des US State Departments in die Ukraine geschickt worden war.

Jareskos Qualifikation für ihre Aufgabe erfüllt die Anforderungen an einen Geierfonds-Banker. Sie war Gründerin und Chefin von Horizon Capital Associates, LLC, einer »Private-Equity- und Risikokapitalfirma, die sich auf Start, Übernahme, Kapitalzuwachs und Möglichkeiten zur Ausweitung spezialisiert. Sie investiert in die Sektoren Finanzdienstleistungen, Konsumgüter mitschnellem Umschlag, Einzelhandel und Industriegüter, vornehmlich in mittelgroße Unternehmen in der Ukraine, Belarus und Moldawien«, schreibt Business Week. Der Fonds wurde 1995 gegründet und unterhält Büros in Kiew.iii Gleichzeitig ist Jaresko Chefin es Private-Equity-Fonds WNISEF.


WNISEF, die Kurzform von Western NIS Enterprise Fund, ist ein 150 Millionen Dollar schwerer Private-Equity-Fonds, der in der Ukraine und Moldawien in kleine und mittlere Unternehmen investiert. Von Beginn an »hat WNISEF fast 168 Millionen Dollar in 118 Firmen verschiedener Branchen in der Region investiert, vornehmlich in Konsumgüter mit hohem Umschlag, Baumaterialien, Verpackung, Einzelhandel und Finanzdienstleistungen. WNISEF wird von Horizon Capital Associates, LLC verwaltet. WNISEF wurde vom US-Kongress etabliert und von der US-Regierung über die Internationale Entwicklungsagentur (USAID) finanziert.«i

Vor der Gründung von Horizon und WNISEF arbeitete die Harvard-Absolventin Jaresko für das US-Außenministerium bei der vom IWF geleiteten Vergewaltigung des Landes mit, die – ebenfalls von den USA inspiriert – 1991 nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion begann. Von 1992 bis 1995 war sie Leiterin der Wirtschaftsabteilung der US-Botschaft in Kiew. Als Viktor Juschtschenko 2004 mit US-Unterstützung durch die »Orangene Revolution« als Präsident eingesetzt wurde, war Jaresko Mitglied seines Beraterteams für ausländische Investoren.

Die stellvertretende Sprecherin des US-Außenministeriums und frühere CIA-Sprecherin Harie Harf hat bereits dementiert, dass Washington bei ihrer Ernennung die Hand im Spiel hatte. Und siewürde natürlich niemals lügen.



Ein weiterer ausländischer Banker als Wirtschaftsminister …


Offenbar nicht zufrieden mit nur einem Investmentbanker als Finanzminister, setzten Nulands Washingtoner Freunde den litauischen Investmentbanker Aivras Abromavicius als Wirtschaftsminister ein. Nach Angaben der offiziellen Propaganda-Website der US-Regierung, Radio Free Europe – die alte CIA-Nachrichtenagentur aus der Zeit des Kalten Krieges gibt es noch immer unter ihrem alten Namen, der wie ein Witz wirkt – arbeitet der in der litauischen Hauptstadt Vilnius geborene Abramavicius seit 2008 als Partner und Fondsmanager bei der Vermögensverwaltungsgruppe East Capital in Kiew.


Berichten zufolge hat East Capital 2012 fast 100 Millionen Dollar in ukrainische Projekte investiert. Es wäre interessant zu erfahren, wessen Geld das war. Abromavicius beschreibt sich selbst als ukrainischen Patrioten (sic!), er hat »radikale Maßnahmen« versprochen.

East Capital ist ein in Schweden ansässiger Fonds für »Grenzmärkte«, er ist in 25 Schwellenländern aktiv. Gründer ist laut Firmen-Website Peter Elam Håkansson, der zuvor führende Positionen bei Enskilda Securities, einer Firma der schwedischen Wallenberg-Familie, bekleidete.



… und ein georgischer Gesundheitsminister

Das seltsame neue Kabinett Jazenjuk wird komplettiert durch den Georgier Alexander Kvitashvili. Er war von 2008 bis 2010 georgischer Gesundheitsminister unter dem damaligen Präsidenten Mikheil Saakashvili, wie Juschenko ein von den USA ins Amt gehievter korrupter Marionetten-Präsident aus der US-finanzierten Rosen-Revolution von 2003. Bevor er georgischer Gesundheitsminister wurde, hatte Kvitashvili in den USA studiert und gearbeitet.

Radio Free Europe meldet: »Jazenjuk hat Kvitashvili mit der Aufgabe betraut, Reformen einzuführen, um der Korruption an medizinischen Behörden und Einrichtungen ein Ende zu bereiten.« Doch der neu ernannte Korruptionsbekämpfer hat ein Handicap: Er spricht kein Ukrainisch. Das scheint aber egal zu sein, denn wie er erklärte, habe er »höchsten Respekt für die Ukraine und ihre Menschen«. Mehr braucht ein korruptionsbekämpfender Gesundheitsminister der Ukraine heute anscheinend nicht.

Die Vergewaltigung eines ganzen Landes ist Mord, genauso wie die Vergewaltigung eines kleinen Kindes. Es ist eine Form von Ermordung der Seele und damit letztendlich des Kindes. Eine solche Behandlung haben 45 Millionen Ukrainer nicht verdient, genauso wenig wie ein vierjähriges Kind.



Fußnote

i Website WNISEF, www.wnisef.org, abgerufen am 3. Dezember und später mysteriöserweise blockiert. Die Information wurde als Screenshot auf der folgenden Seite gesichert: Deutsche Wirtschafts Nachrichten, Ukraine US Investment Bankerin ist neue Finanzministerin, 02.12.14,

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