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Freitag, 19. Dezember 2014

Focus eskaliert PEGIDA-Hetze: Aufruf zur Online-Säuberung

Die Mainstreampresse schreibt seit Wochen PEGIDA nieder. Doch jetzt erreicht die anhaltende Schmutzkampagne, der sich auch führende Politiker wie Justizminister Heiko Maas angeschlossen haben, einen neuen, erschreckenden Höhepunkt.


Focus geht besonders perfide vor und bietet seinen Lesern eine Anleitung dafür, wie man PEGIDA-Anhänger auf Facebook aufspürt und aus seiner Freundes-Liste entfernt. Die Online-Säuberung, zu der hier zwischen Bürgern dieses Landes aufgerufen wird, markiert einen neuen Tiefpunkt im deutschen »Qualitäts-Journalismus«.

Die Bürger von Dresden werden sich 25 Jahre nach dem Mauerfall freuen, dass jetzt wieder andere Deutsche in Marsch gesetzt werden, um ihnen nachzuspüren und herauszufinden, ob sie sich systemkonform verhalten.

In welchem Land leben wir eigentlich, wo so eine Hetzkampagne stattfindet?

Es reiche ein Klick, heißt es in einem Artikel der Online-Ausgabe mit der Überschrift »So erkennen Sie PEGIDA-Fans unter Ihren Facebook-Freunden«, um »PEGIDA-Sympathisanten oder NPD-Fans zu erkennen«.

Die flächendeckende Gesinnungsschnüffelei, zu der hier Menschen ermuntert werden, macht aus Bürgern, die ihren Sorgen in genehmigten Demonstrationen friedlich Ausdruck verleihen, politisch Aussätzige, die es aufzutreiben und zu eliminieren gilt.

Nicht nur das. Hier wird eine Steilvorlage gegeben, um künftig in Online-Kampagnen gezielt auf unliebsame – weil politisch nicht korrekte oder opportune – Menschen Treibjagd zu machen und sie zu isolieren. Diese Hetze begünstigt eine Art der Auseinandersetzung, wie wir sie in der Demokratie keinesfalls wollen: Ausgrenzen und Kaltstellen von politischen Gegnern.

Und dieser Vorstoß kommt von einem Mainstream-Blatt, dessen Aufgabe es ist, durch Information und Analyse Transparenz über Vorgänge und Diskussion im Lande herzustellen, damit Bürger besser informiert am politischen Leben teilnehmen.

Hier wird genau anders herum agiert: Wer in friedlichen Demonstrationen eine andere Meinung vertritt, muss aufgespürt und abgeschaltet werden. Das Motto: »Hau drauf und mach Schluss«, und nicht – wie es erstrebenswert ist – »her mit deinem Argument, ich werde es entkräften«.

Statt Kommunikation und Erörterung – bei der man vermeintlich schwache Argumente und unsinnige Positionen im intellektuellen Wetteifer entlarven kann – wird hier gezielte Ausschaltung propagiert. So liest sich das beiFocus:
»Der Gefällt-mir-Knopf auf Facebook macht es einfach, seine Sympathie für Personen oder Bands auszudrücken. Wenn es aber um politische Ansichten geht, lässt böser Streit oft nicht lange auf sich warten. Dem kann man aber ganz einfach vorbeugen. Wer gerne sehen möchte, welche Facebook-Freunde beispielsweise ihre Unterstützung für die ›PEGIDA‹-Demonstrationen öffentlich kundgetan haben, für den hat das Blog ›Testspiel‹ eine Lösung: Mit nur einem Klick lässt sich die Freundesliste filtern.«

Am Ende des Beitrags beschleichen den oder die Autoren wohl selbst Zweifel, denn mit dem Hinweis, man könne genauso gut auch NPD-Anhänger oder Helene-Fischer-Fans ausmisten, wirdversucht, von der exklusiven Attacke auf einen bestimmten politischen Gegner – in diesem Falle die PEGIDA – abzulenken.


Doch das Manöver ist durchsichtig. Und es ist nicht das erste Mal, dass Focus so wüst auf eine Person oder Organisation losgeht.

Als die Lokführergewerkschaft GDL jüngst den Bahnverkehr in der Republik lahmlegte – da erwähnte das Magazin, in welchem Leipziger Stadtteil GDL-Chef Claus Weselsky (»der meistgehasste Deutsche«) lebt und wie weit sein Wohnort vom Hauptbahnhof entfernt ist. Für kurze Zeit war auch Weselskys Klingelschild zu sehen.

Man muss sich spätestens nach dem jüngsten Artikel im Focus nicht mehr fragen, warum das Vertrauen in die deutschen Leitmedien kollabiert. Dass dies so ist, zeigen nicht nur einbrechende Verkaufs- und Auflagenzahlen, sondern auch eine Flut höchst kritischer Kommentare, wo immerman in Foren liest.

Hinzu kommt: Die Zahl der Beschwerden beim Presserat hat sich seit dem vergangenen Jahrzehnt verdoppelt. Und die Zahl pressekritischer Webseiten, die Berichte im Mainstream penibel aufzeichnen, prüfen und die vielen Fehler beklagen, steigt auffällig.

Besonders bestürzend: Laut der neuen Umfrage von Infratest dimap für das NDR-Medienmagazin Zapp hat gerade noch ein knappes Drittel der Bevölkerung großes bis sehr großes Vertrauen in die Medien.

Vor zwei Jahren waren das noch 40 Prozent gewesen. Besonders stark ist die Vertrauenskrise mit Blick auf die Berichterstattung über den Konflikt in der Ukraine. Derzeit haben 52 Prozent der Befragten »weniger Vertrauen« in Nachrichten und Informationen zum Ukraine-Konflikt, elf Prozent vertrauen ihnen überhaupt nicht.

Fast jeder fünfte Nutzer mit geringem oder fehlendem Vertrauen beklagt demnach, dass die Berichterstattung nicht der Realität entspricht oder »bewusste Fehlinformation« enthält.



Quelle: Kopp Online

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