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Sonntag, 7. Dezember 2014

Mysteriöse Detonationen über dem Atlantik: Geheime Tests?


Kopp-Online 
- von Andreas von Rétyi -

Am vergangenen Samstag berichteten zahlreiche Zeugen von ungewöhnlichen Schallwahrnehmungen. Beschrieben wurden Detonationen nach Art eines Feuerwerks oder Meteoritenabsturzes. Geradezu unheimlich: Diese Geräusche waren gleichzeitig von Großbritannien und den USA aus zu hören.


Was geschah letzten Samstag in den weiten Regionen des Atlantiks? Über Tausende von Kilometern hinweg war ein merkwürdiger Donner zu vernehmen, doch offenbar kennt niemand die Ursache – oder will sie nicht bekanntgeben. Zeugen gibt es genügend. So waren die Geräusche in Großbritannien zu hören, von Aberdeen bis Devon. Einer Frau aus South London gelang eine Tonaufnahme des Phänomens. Auch auf der gegenüberliegenden Seite des Atlantiks machten sich die Geräusche bemerkbar. Sie konnten ungefähr eine halbe Stunde lang wahrgenommen werden und erinnerten an ein gewöhnliches Feuerwerk. Eine sinnvolle Erklärung wäre das aber nicht gerade.

Dieser ziemlich verfrühte Silvesterzauber muss eine ganz andere, möglicherweise weniger erfreuliche Ursache gehabt haben. Angesichts der riesigen Distanz, über die jener Vorfall noch registriert wurde, muss der Auslöser wirklich heftig gewesen sein. Wie die Quelle beschaffen war, darüber streiten sich auch die Fachleute. Ein besonderes Wetterphänomen wird aber von fast allen für sehr unwahrscheinlich gehalten.

Auch ein Meteoritenabsturz kann wohl ausgeschlossen werden, dagegen spricht vor allem die ungewöhnlich lange Dauer des Ereignisses. Außerdem sind bislang keine entsprechenden visuellen Beobachtungen bekannt geworden. Starke Lichterscheinungen hätten aber zwangsläufig auftreten müssen.

Favorisiert wird vielerseits die Erklärung, ein geheimes Hyperschallflugzeug sei für die Detonationen verantwortlich gewesen. Tatsächlich existieren schon seit Jahrzehnten entsprechende Konzepte zu einem Pulsotriebwerk, einer Puls Detonation Engine (PDE), das sich akustisch ähnlich bemerkbar macht wie das jetzt wahrgenommene Phänomen. Bei der PDE werden flüssiges Methan oder flüssiger Wasserstoff innerhalb einer speziell geformten Brennkammer gezündet, wobei das Flugzeug zuvor konventionell auf ein Tempo jenseits der Schallgeschwindigkeit beschleunigt wurde. Durch die PDE entsteht eine »Schubwand«, die das Flugzeug vorwärtstreibt, wobei die Pulsfrequenz bei etwa 250 Hertz liegt. Angestrebt werden allerdings etliche tausend Hertz. Seitlich nahe der Flugzeugspitze ausgestoßene Abgase erzeugen charakteristische, ringförmige Kondensmuster, die sich entlang der Bewegungsrichtung aufreihen – die berühmten donuts on a rope, wie sie 1992 von Steven Douglass in Texas fotografiert wurden. Douglass macht bereits seit Jahren permanent »Jagd« auf Geheimflugzeuge.

Immer wieder haben Zeugen berichtet, ein geheimes Flugzeug gesehen zu haben, das auf Area 51 unter dem Code Senior Citizen entwickelt worden sein soll. Es gibt andere Bezeichnungen für dieses Projekt, das landläufig allerdings vor allem als Aurora bekannt wurde. Im Zuge meiner über viele Jahre immer wieder vor Ort durchgeführten Recherchen zur geheimen Basis Area 51 in Nevada habe ich mit zahlreichen Augen- und Ohrenzeugen auch über dieses spezielle Projekt gesprochen, darunter Militärpersonal, das über Auftankmanöver von Aurora in der Luft berichtete, den Jet in Geheimhangars gesehen haben will oder das grundsätzliche PDE-Antriebssystem bestätigte. Mittlerweile soll Aurora unter anderem in Tonopah stationiert sein.

Ob eine persönliche, sehr bemerkenswerte Schallwahrnehmung bei Area 51 im September 1995 ebenfalls mit Aurora im Zusammenhang steht, lässt sich kaum sagen. An jenem Tag war kurz zuvor jedenfalls für eine Weile ein unbekannter Jet vor der Südrampe von Hangar 18 auf Area 51 zu sehen, möglicherweise Bright Star, ein Überschallflugzeug von Lockheed Martin Skunk Works. Der Jet wurde entwickelt, um Interesse an einem »stillen Überschall-Fluggerät« (Quiet Supersonic Platform, QSP) bei der DARPA als Denkfabrik des Pentagons zu wecken. Auch Northrop-Grumman präsentierte eine entsprechende Initiative. Das QSP-Projekt wurde in einer mehrseitigen Veröffentlichung vom 13. November 2003 vorgestellt. Viele Aurora-Sichtungen und ungeklärte Überschallgeräusche sollen faktisch auf Bright Star zurückgehen. An jenem Septembertag 1995 konnten wir im Tikaboo Valley bei Area 51 tatsächlich ein enorm lautes und schnell bewegtes Donnergrollen erleben, eine Schallwahrnehmung der ganz extremen Art.

Ein Video aus dem Arlington Aerodynamics Research Center der Universität von Texas zeigt einen PDE-Versuchsaufbau und gibt auch die entstehenden Geräusche wieder. Sie ähneln entfernt den Aufzeichnungen, wie sie jener Londoner Zeugin mit ihrem Mobiltelefon gelangen. Einige Fachleute, so auch der Antriebsexperte Dr. Bhupendra Khandelwal von der britischen Sheffield-Universität, gehen davon aus, dass ein PDE-getriebener Jet über dem Atlantik geflogen sein muss. Natürlich scheint es schon eigentümlich, wenn sich ein geheimer Jet über Tausende von Kilometern bemerkbar macht. Von akustischer Stealth-Technologie keine Spur. Andererseits, so lange niemand die Ursache ergründen kann, geht die Rechnung doch auf ...

Von offizieller Seite gibt es bislang keine Bestätigungen hierzu oder zu einer anderen, wie auch immer gearteten Ursache, schon gar nicht zu einem Flugzeug als potenziellem Verursacher. Das britische Verteidigungsministerium erklärte, ihm lägen keine Berichte vor, die entsprechende Jets im eigenen Luftraum für den Vorfall verantwortlich machen könnten. Allerdings belegen die Schilderungen von Zeugen beiderseits des Atlantiks, dass für das »Epizentrum« eine weit entfernte Region in Frage kommt. So stellt auch Steven Aftergood von der Federation of American Scientists fest:
»Wenn ein Flugzeug für das Phänomen verantwortlich ist, sollte man schon anmerken, dass es nicht lokal in Erscheinung getreten sein muss. Da die Schallwellen, die den Knall erzeugt haben, von der Stratosphäre reflektiert werden können, könnte die Quelle des Ereignisses möglicherweise Hunderte oder Tausende von Meilen vom Ort entfernt sein, an dem der Knall vom Erdboden aus vernommen wurde.«

Aftergood hat sich auf Regierungsgeheimnisse spezialisiert. Seine Aussagen lassen die Möglichkeit eines ungewöhnlichen Jets als Auslöser jener ungeklärten akustischen Wahrnehmungen ebenfalls zu.



Die Diskussion um Aurora oder ein vergleichbares Geheimflugzeug setzt sich, wenn auch verhaltener, durchaus fort. Von offizieller Seite wird die Existenz eines solchen Flugzeugs wiederum routinemäßig abgestritten. Doch scheint es merkwürdig, dass der superschnelle Blackbird (SR-71A) vom Militär sang- und klanglos aufgegeben wurde, obwohl nie ein würdiger Nachfolger bekannt wurde. Konzepte zu Hyperschallflugzeugen gibt es etliche. Gerade im vergangenen Jahr machte Lockheed Martin wieder Pläne für ein Mach-sechs-schnellesSpionageflugzeug öffentlich, das demnach rund die doppelte Höchstgeschwindigkeit des legendären Blackbird erreichen würde.

Schon vor Jahren hatte der 1995 verstorbene Ex-Skunk-Works-Chef Ben Rich, »Vater von Stealth«, von weitaus spektakuläreren Möglichkeiten gesprochen, unter anderem von Antrieben, die durchaus Mach 25 erreichen. Rich äußerte sich laut einiger Quellen auch über bereits bestehende technologische Optionen zum Interstellarflug. Bei populären Vorträgen sprach er abschließend wiederholt von der von Skunk Works übertragenen Aufgabe, »E.T. nach Hause zu bringen«.

Zumindest diese Aussage wurde allerdings allgemein als Scherz aufgefasst, selbst wenn sie grundsätzlich nichts anderes bedeutet als die Fähigkeit, interstellare Reisen durchzuführen. Immerhin äußerte sich Rich 1986 gegenüber John Andrews, Modell-Designer der Testor Corporation zu dessen Frage, was er nun über die mögliche Existenz von irdischen oder extraterrestrischen »UFOs« denke: »Ich glaube an beide Kategorien. Meinem Gefühl nach ist alles möglich.« Allerdings warnte Rich auch vor vielen »Verrückten und Scharlatanen« – dies interessanterweise wieder »in beiden Kategorien«.

Dr. Khandelwal möchte sich seinerseits zwar überhaupt nicht auf sogenannte Verschwörungstheorien einlassen, was auch immer darunter nun eigentlich zu verstehen ist. Im gleichen Atemzug aber räumt er die Möglichkeit ein, dass es immer gewisse Dinge geben könnte, die der Öffentlichkeit unbekannt sind. Nun, dass es solche Geheimnisse wirklich gibt, das dürfte wahrlich kein größeres Geheimnis mehr sein. Zur Ursache des Ereignisses vom vergangenen Samstag will sich derzeit niemand sicher festlegen. Nicht anders Avionik-Fachmann Andrew Taylor von der Buckinghamshire New University.

Jedoch hält er die 30-minütige Wahrnehmung auch bei einer PDE für »ein wenig zu lang«. Um einen normalen Überschallknall könne es sich aber auch nicht gehandelt haben. Kleinere Jets erzeugen lediglich einen einzigen solchen Effekt, bei größeren Maschinen »wie der Concorde, kann ein ›Doppelknall‹ vernommen werden, da sowohl die Nase als auch das Heck Stoßwellen verursachen«. Doch nach Ansicht von Taylor ähnelten die Geräusche eher denen von Geschützfeuer, wie er es schon aus früher Jugend in Lincolnshire von den dortigen Übungseinsätzen mit Flugzeugen der Royal Air Force und der US Air Force kannte.

Gab es irgendwo über dem Atlantik eine entsprechende Übung oder einen militärischen Einsatz? Davon ist nichts bekannt. Im Internet zirkulieren natürlich verschiedenste Theorien. Da ist von akustischen Hinweisen auf Fehlfunktionen eines Jet-Antriebs die Rede, von zerberstenden Eisbergen oder gar vom Ausbruch des Dritten Weltkriegs.

Spekulationen gibt es wie üblich genug. Die wahre Ursache bleibt derzeit jedoch unklar. Ob es sich wirklich um den Test eines Geheimflugs gehandelt haben kann? Selbst wenn wiederholt die Rede davon war, dass die per Handy aufgezeichneten Geräusche denjenigen ähneln, wie sie eine PDE erzeugt, kann der direkte Vergleich zunächst kaum überzeugen. Wesentlich für die Übereinstimmung ist aber auch die Pulsfrequenz.




Der Donner vom vergangenen Samstag war nicht das einzige ungeklärte Ereignis im letzten Monat. Am 14. November erhellte ein rot-oranger Blitz den abendlichen Himmel von Swerdlowsk. Dieses Licht zeigte sich gegen 18:39 Uhr Ortszeit und wurde von Fahrzeugkameras aufgenommen, wie sie vor bald zwei Jahren auch den großen Feuerball von Tscheljabinsk mehrfach sehr deutlich dokumentierten.

Die neuen Aufnahmen zeigen einen grellen Blitz, der offenbar hinter den Wolken auftritt und demnach durch sie hindurch zu sehen ist. Ein Bolide oder Feuerball? Zunächst wäre das wohl die nächstliegende Erklärung, erstaunlich dabei aber: die fehlende Bewegung sowie die eher ungewöhnliche Farbe des Blitzes. Die meisten Feuerbälle erscheinen weiß, grünlich oder auch bläulich.

Allerdings schließen beide Gegenargumente einen hellen Meteor nicht aus. Was die Bewegung angeht, spielt die Geometrie gegenüber dem Beobachter natürlich die entscheidende Rolle. Fliegt der Feuerball direkt auf ihn zu, wird es einfach nur heller, ohne jede Bewegung. Leider sind dieverfügbaren Videoaufnahmen nicht aussagekräftig genug, um Konkretes festzustellen. Die Färbung kann vor allem auch durch die Wolken beeinflusst sein. Und gelegentlich erscheinen eben auch gelblich verfärbte Boliden. Geräusche einer Explosion wurden offenbar weder aufgezeichnet noch berichtet.

Noch ein anderes Argument spricht diesmal gegen einen Meteoritenfall: Aus einem weiteren Video geht nämlich hervor, dass zeitgleich mit dem Himmelsphänomen ein sehr kurzer, greller Blitz am Erdboden aufgetreten ist, direkt unterhalb der Erscheinung. Das legt dann wohl doch einen ursächlichen Zusammenhang nahe. Alles deutet auf einen vom Erdboden ausgehenden Lichtblitz hin, der von den Wolken reflektiert wurde. Daher konnte sich das Licht auch nicht über den Himmel bewegen und hatte eine für Boliden untypische Färbung.

Was diesen Blitz auslöste und ob es sich um eine Explosion handelte, lässt sich wiederum nicht sicher sagen. Aber vielleicht tauchen ja noch andere Videos auf, die zur Klärung beitragen könnten. Beide Fälle haben kontroverse Diskussionen ausgelöst, die sich bestimmt noch eine ganze Weile lang fortsetzen werden.



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