Seiten

Sonntag, 22. Februar 2015

Die britische Armee stellt ein Team von Facebook-Kriegern auf

Die britische Armee will mit einer Spezialeinheit direkten Einfluss auf soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter nehmen.
Von Ewen MacAskill, Verteidigungskorrespondent
The Guardian, 31.01.15 (Link)

Für die 77. Brigade, die für den Krieg im Internet zuständig sein soll, werden Soldaten mit Erfahrungen in sozialen Medien gesucht.

Die britische Armee stellt eine Spezialtruppe von Facebook-Kriegern auf, die psychologisch geschult und den Umgang mit sozialen Medien gewohnt sind; sie sollen im Informationszeitalter im Cyber-Krieg eingesetzt werden.

Die 77. Brigade wird im April in Hermitage, einem Ort bei Newbury in Berkshire (s. hier) aufgestellt, und zu ihren Einheiten werden zunächst 1.500 Soldaten gehören, die aus der ganzen Armee zusammengezogen werden.

Die Brigade wird für die verdeckte psychologische Kriegsführung (im Internet) zuständig sein und der israelischen Armee und der US Army nacheifern, die beide schon viele Erfahrungen (im Cyberkrieg) gesammelt haben.

Sie soll rund um die Uhr auf die über Smartphones und soziale Medien wie Facebook und Twitter verbreiteten Nachrichten Einfluss nehmen und sie zu kontrollieren versuchen.


Der 77. Brigade wird im Frühjahr aus aktiven Soldaten und Reservisten zusammengestellt. Dafür werden Soldaten mit journalistischen Fähigkeiten gebraucht, die sich mit sozialen Medien auskennen.

Ein Armeesprecher teilte dazu mit: 
"Mit der 77. Brigade wollen wir vorhandene Fähigkeiten bündeln und weiterentwickeln, weil die in modernen Konflikten und Kriegen unbedingt gebraucht werden. Damit wollen wir auf dem (virtuellen) Schlachtfeld des Internets auf unsere Gegner auch auf gewaltlose Weise einwirken."

Die Neugründung geht teilweise auf Erfahrungen zurück, die bei der Aufstandsbekämpfung in Afghanistan gesammelt wurden. Sie kann auch als Reaktion auf Ereignisse des letzten Jahres gesehen werden – auf russische Aktivitäten in der Ukraine, besonders auf der Krim, und auf die Einnahme großer Teile Syriens und des Iraks durch den Islamischen Staat.

Die NATO hat bis jetzt keine Möglichkeit gefunden, gegen die von den USA und Großbritannien angenommene Einmischung als Milizionäre verkleideter regulärer russischer Truppen in der Ukraine vorzugehen, die von Präsident Putin abgestritten wird. Der ISIS nutzt sehr erfolgreich soziale Medien aus, um Kämpfer aus der ganzen Welt anzuwerben.

Die Israel Defense Forces / IDF sind bereits seit der Operation Cast Lead (s. hier) gegen Gaza zum Jahreswechsel 2008/2009 in sozialen Medien präsent. Sie sind auf insgesamt 30 Plattformen, darunter auch Twitter, Facebook, Youtube und Instagram, in sechs Sprachen aktiv. 
"Dadurch können wir auch ein Publikum beeinflussen, das wir sonst nicht erreichen würden," erklärte ein israelischer Armeesprecher.

Mehrere westliche Staaten wollen jetzt aus den israelischen Erfahrungen lernen.

Während des Gaza-Krieges im Sommer 2014, der Operation Protective Edge (s.
hier), twitterten sowohl die IDF als auch die Qassam Brigaden, der militärische Arm der Hamas, sehr heftig, manchmal sogar direkt gegeneinander.

Die neue 77. Brigade wird nach den Chindits benannt, einer britischen Guerillaeinheit, die im Zweiten Weltkrieg unter Führung des Generalmajors Orde Wingate (s. hier) in Burma (dem heutigen Myanmar) gegen die Japaner kämpfte. Wingate erzielte mit unorthodoxen und umstrittenen Taktiken Erfolge gegen viel stärkere gegnerische Kräfte; seine Teams drangen tief in von den Japanern gehaltenes Gebiet ein, stifteten große Verwirrung und zwangen das japanische Oberkommando zur Änderung seiner strategischen Pläne.

Zur Erinnerung an die Chindits werden die Soldaten der 77. Brigade auf dem Ärmel ein Abzeichen mit dem mythischen birmanischen Fabelwesen tragen. (s. hier) Die neue Brigade soll den heutigen Herausforderungen so erfolgreich entgegentreten, wie die Chindits das früher taten.

Die Aufstellung der 77. Brigade wurde in der gleichen Woche angekündigt, in der Generalleutnant Marshall Webb (s. hier), der Chef der Special Forces der NATO, in Washington seine Besorgnis über Russland und den ISIS ausdrückte.

"Das Hauptquartier für Special Operations (im belgischen Chièvres, s. hier) liegt (für die Zusammenarbeit mit der 77. Brigade) sehr günstig,"
äußerte er.
"Wir tendieren zu indirektem Vorgehen und können uns engagieren, ohne eskalierend oder aggressiv zu wirken. Manchmal sehen wir Dinge aber zu einseitig und müssen zugeben, dass Vertrauen, das Teilen von Informationen und interne Kooperation sehr wichtig sind." 

(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in Klammern und Hervorhebungen versehen. Unter http://journal-neo.org/2015/02/11/rus-v-britanii-sozdayut-internetarmiyu/ haben wir folgende Beschreibung der Aktivitäten dieser neuen britischen Brigade gefunden, die wir für sehr treffend halten:
"Die Brigade wird in sozialen Netzwerken verdeckte Operationen durchführen, um Desinformationen zu verbreiten, die Bevölkerung von Ländern in strategisch wichtigen Gegenden der Erde zu manipulieren und "günstige Bedingungen" für die Ausübung politischen Drucks und die Herbeiführung von Regimewechseln zu schaffen."


Quelle: Luftpost

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen