Seiten

Freitag, 17. April 2015

Germanwings-Katastrophe sorgt für Beschwerde-Rekord beim Presserat (rund 430 Klagen!)

Noch nie gingen beim Deutschen Presserat so viele Beschwerden über Medien-Berichterstattung zu einem einzelnen Ereignis ein, wie beim Absturz der Germanwings-Maschine. Der Presserat hat rund 430 Beschwerden zu dem Thema gezählt. Zur Berichterstattung zur Loveparade-Katastrophe 2010 gab es 241 Beschwerden. Über die Germanwings-Beschwerden will der Presserat Anfang Juni beraten.

Zur Einordnung: Im gesamten Jahr 2014 sind beim Presserat ca. 2.000 Beschwerden eingegangen. Zum Germanwings-Unglück hätten sich überwiegend Privatpersonen gemeldet, deren Kritik viele Teilaspekte der Berichterstattung betreffe, so der Presserat. Die Frage, ob über den Co-Piloten identifizierend berichtet werden darf, sei ebenso ein Thema wie die Veröffentlichung von Opferfotos und Opfergalerien, die Frage des Schutzes der Angehörigen von Co-Pilot und Opfern, eine möglicherweise unangemessen sensationelle Berichterstattung, die Frage der Vorverurteilung oder das Ansehen der Presse, erläutert Presserats-Sprecher Tilmann Kruse.

Die betroffenen Medien werden in Kürze von den gegen sie vorliegenden Beschwerden in Kenntnis gesetzt und um Stellungnahme gebeten. Wegen der Menge der Beschwerden bittet der Presserat die Beschwerdeführer, sich zunächst über die Medien oder die Internet-Seite www.presserat.de über den Verlauf der Sitzungen am 2. und 3. Juni zu informieren, bis die Entscheidungen zugestellt werden können.

Alle Beschwerden durchlaufen einen mehrstufigen Prüfungsprozess. Zunächst muss feststehen, dass der Presserat für das kritisierte Medium zuständig ist. Eine Beschwerde gegen den Rundfunk kann beispielsweise nicht behandelt werden. Ferner muss sich die Beschwerde gegen eine bestimmte Veröffentlichung richten. Betreffen mehrere Beschwerden einen einzelnen Bericht, so werden diese zu einem Fall zusammengefasst. Wird das Verfahren eröffnet, so erhalten die betroffenen Medien Gelegenheit, Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen. Dazu haben sie drei Wochen Zeit. Schließlich entscheiden die Beschwerdeausschüsse per Abstimmung darüber, ob die Beschwerde begründet ist und welche Maßnahme der Presserat ausspricht.


Quelle: Meedia

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen