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Dienstag, 22. September 2015

Deutschland im Zentrum nuklearer Aufrüstung der USA

Zwar darf Deutschland selbst keine Atomwaffen besitzen, doch die USA modernisieren ihr Arsenal auf deutschem Boden. Deutsche Piloten werden zudem im Einsatz mit US-Atomsprengköpfen geschult. Der Atomwaffensperrvertrag? Interessiert in Washington niemanden, so lange es sich um die eigenen Atombomben handelt.

 Von Marco Maier

Das US-Atomwaffenarsenal in Deutschland wird modernisiert: 20 lenkbare Atomraketen des Systems B61-12 die von deutschen Tornado-Kampfjets transportiert werden können, sollen die bisher in der Bundesrepublik stationierten Atombomben ersetzen. Sprengkraft des neuen Arsenals: Bis zu 80 Mal jener der Bombe auf Hiroshima. Nachdem die USA schon früher ankündigten dies tun zu wollen, beginnen derzeit die Vorbereitungen im Fliegerhost Büchel in Rheinland-Pfalz. Dies berichtet die ZDF-Sendung "Frontal21", deren Mitarbeiter diesbezüglich recherchierten.

Im Zuge der Durchsicht der US-Haushaltspläne wurde die Redaktion von Frontal21 auf entsprechende Vorhaben aufmerksam. Militärpolitiker der Bundesregierung bestätigten zudem parallele Baumaßnahmen der Bundeswehr in Büchel. Dort werde auch das "Taktische Luftwaffengeschwader 33" der deutschen Luftwaffe im Einsatz mit US-Atombomben geschult.

Berechtigte Kritik an den US-Plänen kommt von Russland. "Uns beunruhigt, dass Staaten, die eigentlich keine Atomwaffen besitzen, den Einsatz dieser Waffen üben – und zwar im Rahmen der NATO-Praxis der Nuklearen Teilhabe“, erklärte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, gegenüber Frontal21: "Das ist eine Verletzung der Artikel 1 und 2 des Vertrages über die Nichtverbreitung von Atomwaffen."

Mit der NATO-Politik der "Nuklearen Teilhabe" sollen Bündnisstaaten von strategischem Wert – wie Deutschland, Italien oder die Türkei – Teil der US-Vernichtungsstrategie werden. Denn wenn die USA einen Krieg mit einer anderen Atommacht anzetteln, heißt es für die betreffenden Staaten "mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen". Diese Länder werden dann nämlich selbst zum Ziel von Atomschlägen. Dass damit der Atomwaffensperrvertrag verletzt wird, interessiert in Washington niemanden. Immerhin handelt es sich hierbei ja um US-Atombomben – und die USA dürfen ja tun und lassen was sie wollen, oder?

Für die USA hingegen ist die breitflächige Stationierung der eigenen Atomwaffen in anderen Ländern eine Art doppelter Rückversicherung. Einerseits sorgt die Streuung für mehr Effizienz, falls Länder in entfernteren Regionen (z.B. der Iran) angegriffen werden sollen. Andererseits müssten potentielle Gegner so nicht nur die USA selbst, sondern gleich mehrere Staaten gleichzeitig angreifen. Das nukleare Vernichtungspotential maximiert sich dadurch extrem.

Deutschland bleibt damit im Fokus potentieller Gegner der US-Hegemonialbestrebungen. Das heißt: Atomraketen anderer Länder werden auch in Zukunft auf deutsche Ziele ausgerichtet sein. Zudem können deutsche Kampfpiloten künftig die tödliche Fracht in andere Länder tragen. Flugmanöver voll bewaffneter deutscher Jets an der Grenze zum russischen Luftraum, wie sie in jüngster Zeit durchgeführt wurden, erhalten so eine neue symbolische Bedeutung im Umgang der NATO mit Russland.





Quelle: Contra Magazin


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