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Dienstag, 29. September 2015

Fluchtlingsunterkunft: »Nicht rechtzeitig informiert« Schulleiterin erhebt Vorwürfe

Von Christian Busse

Lübbecke (WB). Marion Bienen, Schulleiterin der Jahn-Realschule, die zu einer Flüchtlingsunterkunft wird, erhebt schwere Vorwürfe gegen den Schulträger. Sie sei nicht rechtzeitig informiert worden.

Die Ereignisse der vergangenen Tage nehmen Marion Bienen sichtlich mit. Mit Tränen in den Augen räumt sie die letzten Sachen aus dem Lehrerzimmer, während Mitarbeiter des Kreisbauhofes darauf warten, dass sie ihren angestammten Parkplatz verlässt, um einen Bauzaun aufstellen zu können.

»Ich habe am Dienstagabend um 17.30 Uhr erfahren, dass wir am Mittwoch zum letzten Mal in der Schule sein werden. Ich hatte eine halbe Stunde, um mich zu entscheiden, wo künftig der Unterricht stattfinden soll. Da hab ich mich geweigert«, sagt Marion Bienen, die ihre Wut nur mühsam im Zaum halten kann. Sie als Schulleiterin musste die Aufgabe übernehmen, die Schüler am Mittwoch zu informieren. Der Bürgermeister ließ sich entschuldigen. »Mir hat man gesagt, er sei in einer Sitzung«, sagt Bienen.

Die Schüler seien geschockt gewesen und sehr traurig. »Auch meine Schüler sind Menschen. Und so kann man mit ihnen nicht umgehen. 15 Minuten hat man ihnen gegeben, um ihre Sachen aus den Klassen zu räumen. Dann mussten sie raus. Es war eine Flucht wie nach einem Krieg«, sagt sie.

Verständnis für die Entscheidung, wie eine Pressemitteilung des Kreises am Mittwoch angedeutet hat, gab es bei Eltern und Schülern nach Angaben Bienens nicht. »Wie soll man Verständnis haben, wenn man so behandelt wird. Es gab keine Gespräche. Niemand hat uns vorgewarnt.«

Die Entscheidung, aus der Schule eine Flüchtlingsunterkunft zu machen, ist nach Angaben der Schulleitung nicht einmal ausschlaggebend für Enttäuschung und Trauer der Schüler. »Die Jugendlichen sind hier fünf oder sechs Jahre zur Schule gegangen. Sie fühlen sich als letzte Schüler einer auslaufenden Schule eh schon benachteiligt. Dass sie jetzt in 15 Minuten ihre Schule verlassen müssen, ist einfach nur traurig. Wie soll man da Verständnis aufbringen«, fragt Bienen. Eine Rückkehr in die Jahn-Realschule schloss Marion Bienen kategorisch aus. »Wir ziehen nicht noch mal um.« Das Schild der Schule haben die Schüler auf eigenen Wunsch hin abmontiert und mit in die Pestalozzischule genommen.

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