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Freitag, 19. Februar 2016

Polizeichef zieht Karnevalsbilanz: "Sobald wir uns zurückzogen, wurden die Problemgruppen aktiv"

Die Zahl der angezeigten Sexualdelikte war im diesjährigen Kölner Karneval deutlich höher als in den vergangenen Jahren. Auch die „hochproblematische Klientel“ aus der Silvesternacht soll unterwegs gewesen sein. Im Interview mit FOCUS Online zieht Polizeidirektor Michael Temme Bilanz.

Nach den Vorfällen der Silvesternacht blickten viele mit Sorge auf den Kölner Karneval. Nun resümierte die Polizei den Einsatz: Von Weiberfastnacht bis einschließlich Rosenmontag hat es knapp 1400 Platzverweise gegeben, gut 800 mehr als 2015. Die Ingewahrsamnahmen verdoppelten sich, bei den Festnahmen gab es sogar eine Verdreifachung. Auch die Zahl der angezeigten Sexualdelikte war höher. Insgesamt waren es 66 Fälle – von Beleidigung bis hin zu Vergewaltigung. 2015 zählte die Polizei nur 18 derartige Delikte.


FOCUS Online: Herr Temme, welche Bilanz ziehen Sie nach Karneval – auch im Hinblick auf das neue Sicherheitskonzept?

Michael Temme: Wir haben im Vorfeld alles daran gesetzt, einen sicheren Karneval zu gewährleisten. Ich würde sagen, das ist uns gelungen. Das Sicherheitskonzept ist aufgegangen, die Absprachen und die Zusammenarbeit haben gut funktioniert – so wie wir es uns vorgestellt hatten. Unsere Bilanz ist verhalten positiv. Es ist aber natürlich nur eine vorläufige Bilanz, denn bis zu fünf Wochen nach den Feierlichkeiten können noch weitere Anzeigen eingehen oder Delikte anders eingestuft werden.


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FOCUS Online: Auch an Karneval sollen in Köln kriminelle Gruppen unterwegs gewesen sein – ähnlich wie in der Silvesternacht. Polizeipräsident Mathies hat von „hochproblematischer Klientel“ an der Domplatte gesprochen. Können Sie das bestätigen?

Temme: Die Maßnahmen der Polizei haben speziell darauf abgezielt, solche Gruppen im Blick zu behalten. An zweiter Stelle galt unsere Aufmerksamkeit übrigens auch sogenannten Bürgerwehren, die angekündigt hatten, anstelle der Polizei zu patrouillieren und „für Ordnung zu sorgen“. Man kann aber feststellen, dass solche Gruppen in den letzten Wochen wenig bis gar nicht in der Stadt zu sehen waren – und schon gar nicht so massiv wie an Silvester. 

Kriminelle Gruppen beobachten die Polizeiarbeit

FOCUS Online:
 Also hat es diese Ansammlungen an der Domplatte nicht gegeben?


Temme: Ich war am Donnerstag, Sonntag und am Rosenmontag Einsatzleiter. Es hat in dieser Zeit einen größeren Einsatz außerhalb der Stadt gegeben, weswegen wir zwischenzeitlich Beamte aus der Innenstadt abziehen mussten. In diesem Moment war tatsächlich zu beobachten, dass sich vermehrt Gruppen zusammen gefunden haben, darunter auch die nach Silvester viel thematisierten jungen Männer aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum. Das spricht dafür, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Polizeipräsenz und der Aktivität dieser Gruppen gibt. Sie scheinen die Arbeit der Beamten sehr genau zu beobachten und sobald wir uns zurückzogen, wurden die Problemgruppen aktiv.

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Quelle und Weiter- bzw. komplett lesen: Focus Online


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